Montag, 17. September 2012

9919 Km - Port Orford/OR


Nach 29 Tagen und über 7500 Km auf dem trans-america-trail bin ich endlich am Pazifik angekommen. Es war ein emotionaler Augenblick am Ende des trans-america-trails zu stehen. Die letzten Meilen sind Phil, Dawn und ich zusammengefahren. Immerhin haben wir einen nicht unwesentlichen Teil des trans-america-trails zusammen bestritten.

Die größte Herausforderung bestand heute in der Navigation. Das Roadbook scheint nicht mehr auf dem neuesten Stand zu sein. Oft musste ich umdrehen und eine alternative Route suchen. Zu allem Übel riss mir zum dritten Mal der Kupplungszug. Es war der Harley-Davidson-Selbstbau Kupplungszug. Zum Glück habe ich einen originalen Kupplungszug in Moab bekommen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich sagen kann, dass ich den Trail besiegt habe oder er mich. Sagen wir mal, es steht unentschieden.

Hier ging es nicht mehr weiter.


Wie geht es jetzt weiter? Ich werde jetzt ganz langsam die Küste auf dem berühmten Highway #101 in Richtung Norden nach Portland fahren. Es heißt auch Abschied nehmen von Phil und Dawn, die auch den Highway #101 fahren, nur fahren sie in Richtung Süden nach Los Angeles.

Ich habe noch vor, mir den Mount St. Helens und den Mount Rainier anzuschauen. Dann möchte ich noch den Cascade-Trail fahren. Das ist eine Offroad-Strecke durch die Kaskaden in Richtung Kanada. Er ist ca. 1000 Km lang und soll nicht sehr schwierig sein. Also es gibt noch genug zutun in den verbleibenden 12 Tagen.

STEPHAN
Port Orford/OR

Sonntag, 16. September 2012

9686 Km - Canyonville/OR

Der trans-america-trail wäre nicht der trans-america-trail, wenn er nicht immer wieder Überraschungen parat hat. Der Weg führte mal wieder durch ein wunderschönes Waldgebiet. Er war gut zu befahren und es ergaben sich wunderschöne Ausblicke.




20 Meilen vor dem Ziel träumte ich mich schon von meiner Unterkunft und einer heißen Dusche, als auf einmal ein riesiger steiniger Anstieg auftauchte. Ich habe gleich verweigert und bin umgekehrt. Ich muss die Herausforderung nicht mehr haben. Durch den Umweg wurde das Benzin sehr knapp. Ich musste mein Benzin aus dem Campingkocher nehmen, sonst wäre ich nicht mehr zur nächsten Tankstelle gekommen.

Phil und Dawn, die immer so ca. eine Stunde vor mir fahren, erzählten mir abends, dass sie auch vor der Mauer kapituliert haben und auch umgekehrt sind. Im Gegensatz zu mir, habe sie es jedenfalls probiert.

Ein sehr steiler und steiniger Aufstieg.

Warum sieht das auf den Bildern eigentlich immer so harmlos aus?

Morgen ist der letzte Tag auf dem trans-america-trail. Ich würde mich nicht wundern, wenn noch ein Knaller oder irgendetwas Ungewöhnliches kommt. Das letzte Roadbook ist im Halter eingespannt, das letzte Mal werde ich morgen um 06:00 Uhr aufstehen und ein letztes Mal ist mir der Weg vorgegeben.

STEPHAN
Canyonville/OR

Samstag, 15. September 2012

9348 Km - Crescent/OR

Heute mal nur Bilder vom Crater Lake Nationalpark. Eigentlich wollte ich noch den "Cascade Lake Scenic Byway" fahren, aber der Crater Lake hat mich länger aufgehalten als gedacht.


Der See ist wirklich so blau.

Der See ist so klar, dass man 30 m hineinsehen kann.

Freitag, 14. September 2012

9124 km - Crescent/OR

Was für eine Landschaftsänderung. Ich bin heute den ganzen Tag durch Wald gefahren. Nach fast 9 Stunden Fahrzeit und 311 Km bin ich endlich in Crescent angekommen. Ich glaube, das ist die letzte lange Etappe gewesen. Jetzt kommen noch zwei kleinere Etappen und dann bin ich am Ziel. Ich kann den Pazifik schon riechen.

Trotz der langen Fahrzeit hat es mir Spaß gemacht, durch die Wälder zu fahren. Obwohl auch sandige Abschnitte dabei waren. So langsam freunde ich mich mit dem Sand an, aber einfacher wird es dadurch auch nicht.


Staubfahne bei voller Fahrt

Ca. eine Minute später

So schön ist Oregon

Die Temperaturen sinken so langsam. Heute Morgen musste ich mir zum ersten Mal einen Pullover unter die Motorradjacke anziehen.

Morgen werde ich hier bleiben, um mir zwei Nationalparks, die hier ganz in der Nähe sind, anzuschauen.

STEPHAN
Crescent/OR


Mal wieder umgekippt. Sand und ich werden niemals Freunde.

Mittwoch, 12. September 2012

8813 Km - Lakeview/OR

Nevada hat noch einmal alles aufgeboten, um sich zu verabschieden. Es war zum Schluss noch so eine schwierige Strecke, dass ich an meine körperlichen, meinen fahrerischen und auch an die Grenzen des Motorrades gehen musste. Ich weiß jetzt, wo meine und die Grenzen des Motorrades sind. So oft habe ich an einem Tag noch nie das Motorrad aufgehoben. Bei 10-mal habe ich aufgehört zu zählen.

In der Wüste stehen diese kleinen Büsche rum. In einem Sandstück bin ich mit dem Fuß so unglücklich an einem Busch hängen geblieben, dass ich den Fuß sozusagen mit meinem eigenen Koffer überfahren habe. Es gab so einen Schlag, das ich stürzte und sogar Sterne gesehen habe. Der Fuß, diesmal der andere als gestern, ist jetzt auch grün und blau. Im Moment weiß ich nicht, mit welchem Fuß ich humpeln soll. Aber alles ist in Ordnung und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die körperlichen, aber auch die seelischen Wunden, verheilen werden.

Ich bin jetzt in Lakeview/Oregon und mache endlich mal einen Tag Pause. Lakeview ist seit Tagen der erste Ort, der mehr zu bieten hat als 10 Einwohner, ein schäbiges Motel, einen kleinen Supermarkt und eine Tankstelle, die keinen Sprit hat.

Es gibt keine Fotos vom Kampf gestern und auf keinen Fall Fotos von meinen Füßen. Ich hoffe, Oregon ist gnädiger mit mir.

STEPHAN
Lakeview/OR

Da ging es z.B. sehr steil hoch und das aus dem Stand.

Seid langem mal wieder eine Wasserdurchfahrt.

Das ist noch alles harmlos.

Ein ausgetrockneter See.

An so einem Busch am Rand des Weges bin ich hängen geblieben.